Das Buch The Institutionalisation of Evaluation in Africa, herausgegeben von Reinhard Stockmann, Wolfgang Meyer und Tanja Stockmann, ist der vierte und finale Band des CEval Evaluation GLOBE Projekts – Compendium on the Institutionalisation of Evaluation.
Mit diesem Band wird eine Buchreihe abgeschlossen, deren Arbeit bereits 2016 begann. Der erste Band über Europa erschien 2020, eine deutsche Fassung folgte 2021. Der zweite Band über die Amerikas wurde 2022 veröffentlicht, der dritte Band über Asien-Pazifik 2023. Nun ist der vierte Band über Afrika als eBook erschienen; die Printausgabe soll im August folgen. Ziel des Projekts ist es, einem interdisziplinären Publikum ein besseres Verständnis dafür zu vermitteln, wie Evaluation in verschiedenen Nationen, Weltregionen und Sektoren institutionalisiert ist. Zugleich bietet die Reihe eine Grundlage für vergleichendes Lernen, um die Entwicklung und Nutzung von Evaluation weltweit besser zu verstehen und voranzutreiben.
Der neue Band untersucht die Entwicklung und den aktuellen Stand der Institutionalisierung von Evaluation in Afrika. Im Mittelpunkt stehen 12 Länderfallstudien zu Botswana, Kamerun, Ghana, Kenia, Nigeria, Ruanda, Senegal, Südafrika, Tansania, Uganda, Sambia und Simbabwe. Ergänzend werden vier transnationale Organisationen und Netzwerke betrachtet, die die Institutionalisierung von Evaluation in Afrika wesentlich mitprägen: die African Development Bank Group, CLEAR-AA, CLEAR-FA sowie UNICEF.
Die Studien basieren auf einem von Reinhard Stockmann und Wolfgang Meyer entwickelten analytischen Rahmen, der in allen vier Bänden der Buchreihe verwendet wurde, um die Vergleichbarkeit der Länder- und Organisationsberichte über Weltregionen hinweg zu gewährleisten. Der Rahmen unterscheidet drei Dimensionen der Institutionalisierung von Evaluation: das politische System, das soziale System und das professionelle System.
Diese drei Dimensionen stehen für zentrale Bereiche, in denen Evaluation institutionell verankert wird: das nationale politische System als maßgebliche Instanz politischer Entscheidungsfindung, die Zivilgesellschaft als Instanz der Kontrolle und Unterstützung politischer Steuerung sowie das professionelle System, in dem Evaluationswissen, Kompetenzen, Qualitätsstandards und professionelle Praxis weiterentwickelt werden. Konkret betrachtet der Band unter anderem rechtliche und administrative Rahmenbedingungen, organisatorische Verankerung und Evaluationspraxis, gesellschaftliche Nachfrage, Nutzung und Bekanntheit von Evaluation sowie Ausbildung, professionelle Organisationen, Standards und den wissenschaftlichen Diskurs.
Die detaillierten Länder- und Organisationsberichte wurden von ausgewählten Autorinnen aus den jeweiligen Ländern und Organisationen verfasst; insgesamt haben 34 Autorinnen mitgewirkt. Ihre Erkenntnisse werden in einer vergleichenden Synthese gebündelt, die zentrale Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Entwicklungslinien der Institutionalisierung von Evaluation in Afrika herausarbeitet. Darüber hinaus enthält der Band ein abschließendes Kapitel, das den Blick auf alle vier GLOBE-Bände erweitert und aufzeigt, welche Wege der Institutionalisierung sich im globalen Vergleich abzeichnen und welche fördernden und hemmenden Faktoren dabei eine Rolle spielen.
Mit Blick auf Afrika wird deutlich, dass die Institutionalisierung von Evaluation ein vielschichtiges und dynamisches Feld ist, das je nach Land und System unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Im politischen System ist Evaluation bislang nur in wenigen Ländern stark institutionalisiert. Es konnte kein Land identifiziert werden, das zugleich einen hohen Grad an Institutionalisierung und eine hohe Nutzung von Evaluation aufweist. Auch im sozialen System ist Evaluation bislang kaum formal institutionalisiert. Die Nutzung von Evaluation durch zivilgesellschaftliche Akteur*innen bleibt vielfach von externen Anforderungen geprägt und das Verständnis davon, was Evaluation ist und welche Funktion sie übernehmen kann, begrenzt. Besonders dynamisch entwickelt sich dagegen das professionelle System, etwa durch den Aufbau universitärer Ausbildungsangebote sowie die Entstehung von Fachgesellschaften, Netzwerken und Kommunikationsstrukturen. Insgesamt erweisen sich politischer Wille, nationale Umsetzungskapazitäten und professionelle Netzwerke als förderlich, während unklare Rahmenbedingungen, begrenzte Ressourcen und ein geringes Verständnis von Evaluation die Institutionalisierung hemmen.
Global zeigt sich, dass Evaluation in erster Linie politisch getrieben institutionalisiert wird. Zivilgesellschaft erweist sich dabei nicht als zentraler Treiber von Evaluation. Zudem geht ein hoher Grad an Professionalisierung nicht zwangsläufig mit einer hohen Nachfrage nach Evaluation einher — und umgekehrt. Übergreifend wird deutlich, dass die Institutionalisierung von Evaluation allein keine hinreichende Voraussetzung für ihre umfassende Nutzung im politischen System ist; zugleich findet Nutzung ohne ein Mindestmaß an Institutionalisierung kaum statt. Wo Evaluation genutzt wird, geschieht dies häufig im Kontext von Budgetierung, Finanzkontrolle, Rechenschaftslegung und Leistungsmanagement. Deutlich seltener dient Evaluation als Grundlage für evidenzinformierte Politikgestaltung, politische Legitimation oder öffentliche und parlamentarische Debatten. In vielen Ländern besteht daher die Gefahr, dass Routinisierung und Bürokratisierung Evaluation auf die Funktion eines administrativen Kontrollinstruments verengen.



