Wie lässt sich die Qualität sozialpädagogischer Fanarbeit transparent und nach einheitlichen Kriterien erfassen, ohne die unterschiedlichen Bedingungen an den einzelnen Standorten aus dem Blick zu verlieren? Mit dieser Frage beschäftigt sich das CEval seit 2015 gemeinsam mit der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend (KOS).
In drei aufeinanderfolgenden Projektphasen wurde das Verfahren zur Vergabe des Qualitätssiegels „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ weiterentwickelt, erprobt und bundesweit umgesetzt. Der nun veröffentlichte Abschlussbericht für die Jahre 2022 bis 2025 dokumentiert die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem jüngsten Durchgang.
Qualität sozialpädagogischer Fanarbeit sichern
Bundesweit sind derzeit 70 Fanprojekte aktiv. Ihre sozialpädagogischen Fachkräfte begleiten Jugendliche und junge Erwachsene bei Heim- und Auswärtsspielen, bieten Beratung und Bildungsangebote an und unterstützen junge Fans dabei, ihre Fankultur positiv und selbstbestimmt zu gestalten. Dabei engagieren sie sich unter anderem für Gewaltprävention, demokratische Werte und Selbstverantwortung.
Die Fanprojektarbeit ist Teil der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe nach dem SGB VIII und orientiert sich am Nationalen Konzept Sport und Sicherheit. Finanziert werden die Fanprojekte gemeinsam durch die öffentliche Hand und den organisierten Fußball. Länder und Kommunen tragen jeweils einen Teil der Finanzierung; DFB und DFL ergänzen diese Mittel in der Regel in entsprechender Höhe. Hinzu können weitere Projekt- und Drittmittel kommen.
Das Qualitätssiegel wurde 2010 auf Grundlage des Nationalen Konzepts Sport und Sicherheit eingeführt und wird jeweils für drei Jahre vergeben. Es soll gemeinsame Standards und mehr Handlungssicherheit schaffen sowie die strukturellen Rahmenbedingungen der Fanprojektarbeit verbessern. Finanziert wird das Qualitätssiegelverfahren durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, den DFB und die DFL.
Von der Entwicklung zur bundesweiten Anwendung
In einer ersten Projektphase überarbeitete und standardisierte das CEval das bestehende Vergabeverfahren. Das neue Konzept wurde anschließend gemeinsam mit fünf ausgewählten Fanprojekten modellhaft erprobt. Ziel war ein einheitliches und zugleich praxistaugliches Verfahren zur Erhebung der für die Siegelvergabe benötigten Informationen.
Es folgten zwei weitere Projektphasen von 2017 bis 2020 und 2022 bis 2025, in denen das überarbeitete Verfahren bundesweit Anwendung fand. Das CEval führte die Datenerhebungen bei den Fanprojekten durch und bereitete die Informationen für den weiteren Vergabeprozess auf. Dazu gehörten die Vorbereitung und Durchführung der Qualitätsgespräche vor Ort oder in digitaler Form sowie die anschließende Validierung der erhobenen Daten. Zusätzlich wurden die Perspektiven der Träger und zentraler Netzwerkpartner*innen aus Kommunen, Vereinen, Fanszenen und Polizei einbezogen. Das CEval unterstützte die AG Qualitätssicherung außerdem beratend bei der Einordnung der Ergebnisse.
Hohe Standards und wachsende Herausforderungen
Die Ergebnisse des letzten Abschlussberichts zeigen ein insgesamt positives Bild: Fast alle (97%) der geprüften Fanprojekte erfüllten alle Muss-Kriterien und konnten zertifiziert werden. Die räumliche und technische Ausstattung wurde überwiegend als zufriedenstellend bis sehr gut bewertet. Auch die Beteiligung externer Akteur*innen am Verfahren hat sich gegenüber dem vorherigen Durchgang in mehreren Bereichen erhöht.
Der Bericht macht zugleich Herausforderungen sichtbar. Zwar ist die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiter*innen leicht gestiegen, doch weniger als die Hälfte der Fanprojekte und ihrer Träger bewertet die personellen Ressourcen als ausreichend. Auch der finanzielle Spielraum ist vielfach begrenzt: Der Anteil der Fanprojekte, bei denen mindestens vier Fünftel des Etats für Personalkosten eingesetzt werden, stieg von sieben Prozent im Jahr 2019 auf aktuell 38%.
Qualitätssicherung als kontinuierlicher Prozess
Die drei Projektphasen zeigen, wie sich ein Qualitätssicherungsverfahren über einen längeren Zeitraum entwickeln und etablieren kann. Die regelmäßige Überprüfung dient dabei nicht allein der Vergabe eines Siegels. Sie macht Veränderungen sichtbar, identifiziert Unterstützungsbedarf und schafft eine gemeinsame Grundlage für die Weiterentwicklung der Fanprojektarbeit.
Die Veröffentlichung des Abschlussberichts macht die übergreifenden Erkenntnisse aus dem jüngsten Durchgang nun auch außerhalb des Vergabeverfahrens zugänglich. Wir freuen uns, dass wir die KOS seit 2015 bei dieser Aufgabe begleiten und unsere methodische Expertise in die kontinuierliche Weiterentwicklung des Qualitätssiegels einbringen konnten.
Weitere Informationen bietet die Pressemitteilung der KOS sowie ihre Webseite.



